Dr. Sigrid Pilz

Dr Sigrid Pilz

Patienten- und Bewohnerrechte – eine Medizin gegen Gewalt?

Gewalt gegen PatientInnen oder BewohnerInnen kann viele Formen annehmen: Subtile körperliche oder psychische Übergriffe, wie das Vorenthalten einer Leistung, unangemessene Aktivitäten, oder  die öffentliche Bloßstellung, bzw. Beschämung des Opfers. Soziale Gewalt äußert sich u.a.  in Isolierung, oder Verweigerung der Privatsphäre. Öffentliche Bestürzung und Empörung wird allerdings  meist erst durch nachweisliche physische  Tätlichkeiten hervorgerufen,  jüngst  geschehen in einem privaten niederösterreichischen Pflegeheim.

PatientInnen und BewohnerInnen sind eine vulnerable Gruppe – insbesondere MitarbeiterInnen in Langzeiteinrichtungen sollten sich also bewusst sein, dass  gefährliche Entwicklungen  zur „ totalen Institution“ ständig wachsam bekämpft werden müssen. Eine totale Institution weist nach  Erving Goffman folgende Merkmale auf:Sie ist allumfassend, d.h. das gesamte Leben der „Insassen“ verläuft innerhalb der Institution und nach deren Regeln. Das alltägliche Leben  spielt sich hauptsächlich in der Gemeinschaft aller Beteiligten ab: Man verbringt Arbeitszeit, Freizeit, Mahlzeiten usw. in der Gruppe. Individuelle Aktivitäten sind Ausnahmeerscheinungen .All das folgt einem Gesamtplan, der sich an den Zielen der Institution orientiert. Die soziale Struktur der totalen Institution ist durch eine scharfe Trennung zwischen den „Insassen“ und den Betreuern charakterisiert. Dem Personal obliegt vor allem die Überwachung der Regeln der Institution. Diese verfügt über alle physischen und ökonomischen Ressourcen, die von den Insassen nur nach deren Regeln genutzt werden können.

In der Arbeitsgruppe soll mittels Beispielen aus der Praxis erarbeitet werden, welche institutionellen „totalitären“  Risiken in der täglichen Praxis bestehen , wie Patienten- und Bewohnerrechte gelebt werden sollten und wie subtiler und offener Gewalt begegnet werden kann.


Über die Vortragende: Wiener  Pflege -; Patientinnen- und Patientenanwältin / Vienna Nursing and Patient Advocate, Vienna

*1958             Studium der Erziehungswissenschaften und Psychologie, Universität Innsbruck
1980-1985    Mitarbeiterin und Leiterin eines Jugendzentrums für benachteiligte Jugendliche, Innsbruck
1985-2012    Leiterin der Abteilung für Internationale Familien- und Jugendpolitik, Bundesministerium für Familie und  Jugend, Wien
1985 – 2015   Lektorin, Institut für Erziehungswissenschaften, Universität Innsbruck
2001-2012    Grüne Gesundheitspolitikerin, Wiener Landtag und Gemeinderat, Gesundheitssprecherin der Wiener Grünen, Initiatorin von zwei     gemeinderätlichen Untersuchungskommissionen in Wien

seit Juli 2012 Wiener Pflege-, Patientinnen- und Patientenanwältin.