Geschrieben von TeilnehmerIn DGKS Eva Hoffmann, MSc; erstveröffentlicht bei Pflege Professionell

Am 21.04.2017 fand unter herrlichsten Wetterbedingungen das 12. Pflegeforum im Alpbach statt. Das Forum stand unter einem Thema, das viele Pflegende bewegt und dennoch viel zu selten zur Sprache kommt. „Gewalt“ –  Gewalt hat viele Gesichter. Und nicht alle Gesichter der Gewalt zeigen sich auf den ersten Blick. Auch ist den Handelnden mitunter gar nicht bewusst, wo Gewalt beginnt. Dass dieses Thema eine sehr heikle Materie ist, war den Veranstaltern bewusst. Aber anhand der hohen Besucher/innenzahl (ca. 500 ) hat sich auch gezeigt, dass das Thema sehr aktuell ist.

Bereits im kurzen Eröffnungstatement von DGKP Gerold Stock wurde darauf hingewiesen, wie wichtig das Thema Gewalt in der Pflege ist, dass es viele Ursachen für Gewalt in der Pflege geben kann und dass es daher notwendig ist sein eigenes Handeln immer wieder kritisch zu hinterfragen. Gewalt kann auch strukturelle bedingt sein, Diese Strukturen äußern sich oft durch Unzufriedenheiten und Unmutsäußerungen bis hin zu körperlicher Gewalt an den uns anvertrauten Patienten/innen bzw. Klienten/innen.

Durch Dr. Christoph Zulehner konnte der Rahmen dieser Veranstaltung neu ausgerichtet werden. So gab es nach einem höchst interessanten Impulsvortrag von Prim. Univ. –Prof. Dr. Reinhard Haller vor dem gesamten Plenum die weiteren 4 Vorträge in Form von Ringvorlesungen. Diese Form ermöglichte, dass es trotz der hohen Besucheranzahl, nach jedem Impulsvortrag zu Fragen und Diskussionen kam. An dieser Stelle auch ein Danke an alle Vortragenden, die bereit waren, ihre Vorträge 4-mal hintereinander abzuhalten.  Bereits bei der Registrierung gab es eine Zuteilung mittels Farbarmband – und dies war dann für die Ringvorlesungen notwendig. Dadurch war hier ein reibungsloser Ablauf möglich.

Nun zum ersten Vortrag von Dr. Haller:

Dr. Haller referierte zum Thema „Gewalt hat viele Gesichter und noch mehr Ursachen“.

Zuerst zu der Definition der Gewalt nach Galtung (1972): „Gewalt liegt dann vor, wenn Menschen so beeinflusst werden, dass ihre aktuelle  körperliche und geistige Verwirklichung geringer ist als ihre potentielle Verwirklichung.“

Weiters verweist Dr. Haller auf die bekannten Formen  von Gewalt: die physische Gewalt – hier gehören Schläge, Tritte, Prügel, etc. dazu, diese Form der Gewalt ist eher „leicht“ nachzuweisen. Die psychische Gewalt: hier gehört u.a. Mobbing, Beschuldigung, Zwang, Drohung dazu. Hierbei liegt das Problem, dass bei dieser Form der Gewalt es sich um sehr subtile Gewalt handelt, die auch sehr schwer nachweisbar ist. Dieser Form der Gewalt ist im Zunehmen!

Die sexuelle Gewalt nimmt in unserer übersexualisierten Gesellschaft immer mehr zu.

Die häufigste Form von Gewalt, die im Pflegebereich auftritt, ist die Vernachlässigung: hier handelt es sich um Nichterfüllen von Grundbedürfnissen von Schutzbefohlenen.

Weiters beschreibt Dr. Haller verschiedene Formen aggressiven Verhalten: offen gezeigtes vs. Verdecktes – hinterhältiges  / körperliches vs. Verbal-aggressives / aktives vs. Passiv-erfahrendes Verhalten.

Dr. Haller versucht aber auch in seinem Vortrag auch theoretische Hintergründe für Gewalt zu erläutern. Dabei spielt das Instanzenmodell von Siegmund Freud eine wesentliche Rolle.

Das ES ist die Urkraft, die Gewalt, das Über-ICH reguliert, liefert die Werte, die Normen. Die Beiden – ES und Über ICH sind im permanenten Kampf miteinander. Es ist eine Frage der Persönlichkeit / der Sozialisation „ wer gewinnt“.

Einen weiteren Aspekt für Gewalt erläutert Dr. Haller auch aus dem Aspekt der Hirnforschung. Es scheint, dass der Amygdalakern  und der Orbitofrontale Kortex einen Anteil an der Gewaltbereitschaft haben. Ebenso sind hirnphysiologische und hirnmorphologische Vorgänge bei Gewalt beteiligt.

Aus dem Bereich der Spiegelneuronen wissen wir heute, dass sie für Empathie verantwortlich sind. Bei Menschen, die gewalttätig sind, fehlen diese zum Teil.

Es gibt aber auch psychiatrische Erklärungsmodelle für Gewaltbereitschaft: einerseits werden hier genetische, hirnmorphologische, hirnphysiologische Veränderungen genannt, andererseits persönlichkeitsspezifische (Psychopathie), sowie psychodynamische (Spaltungen, Destruktivität). Weiters wird hier noch das sozialpsycholgische Erklärungsmodell angeführt – (hier ist das bekannteste das Milgram Experiment).

MACHT – nichts hat eine so hohe Anziehungskraft wie Macht – und in Pflegesituationen ist man immer einer Machtsituation ausgesetzt. Schweigen kann unglaubliche Macht bedeuten. – „du existierst für mich nicht!“   -„ du bist für mich kein Wort wert!“

Dies kann zu unglaublichen KRÄNKUNGEN führen und diese Kränkungen können das ICH ganz nachhaltig treffen – die Auswirkungen können unterschiedlich sein – sie können gegen sich oder gegen anderer gerichtet sein. Was sich wiederum in Gewalt äußert.  Ein wesentliches Mittel gegen Gewalt ist dieses Schweigen zu durchbrechen  ð Kommunikation!

Welche Risikofaktoren gibt es für Gewalttätigkeit?

Hier gehört die grausame oder lieblose Erziehung, die emotionale Verwahrlosung dazu, frühe Erfahrung mit Missbrauch und Gewalt, verschiede psychische Störungen, Rausch und Affekt, Gruppeneinfluss und gesellschaftliche Wertung. Dr. Haller ging noch näher auf den  Einfluss von Alkohol ein. Denn die meisten Tötungsdelikte in Österreich sind 70 % Beziehungsdelikte, die Großteils unter Alkoholeinfluss stattfinden.

Allerdings muss bei aggressiven Verhalten nicht nur ein Aspekt gesehen werden, sondern immer die Gesamtsituation.

Der nächste Aspekt, der erörtert wurde, war der Aspekt der häuslichen Gewalt. In der häuslichen Gewalt liegt die Dunkelziffer sehr hoch. 30 % der Frauen sind ab ihrem 16. LJ von partnerschaftlicher Gewalt betroffen, wobei Frauen mit Migrationshintergrund einem höheren Risiko ausgesetzt sind. 25 % der Arbeitsausfälle von Frauen gehen auf häusliche Gewalt zurück.

Das Phänomen des erweiterten Suizid ist rückläufig, dagegen nimmer der erweiterte Mord zu.

Auch wurde über die Gewalt von Erwachsenen gegenüber Kindern referiert. 10% der Kinder werden von den Eltern schwer körperlich misshandelt. 60 % der kindlichen Opfer sind weiblich und  ein Großteil der Täter ist männlich.

Gewalt gegen ältere Menschen:

Auch hier liegt eine sehr hohe Dunkelziffer vor, denn die Opfer sind besonders Pflegebedürftige. In Österreich werden ca. 20.000 ältere Menschen Opfer schwerwiegender Gewalt in der Familie.

Jetzt die entscheidende Frage – wo kommt Gewalt vor?

  • a. In Behinderteneinrichtungen
  • In Alters- und Pflegeheimen
  • In Krankenhäusern

Es gibt aber auch die umgekehrte Situation, dass Gewalt vom Patienten / Klienten gegenüber Ärzte / Pflegepersonen angewandt wird. Hier wurde folgende Zahl genannt: 23 % ALLER Pflegepersonen UND Ärzte werden in einem Zeitraum von 3 Jahren Opfer von Gewalt.

Welche Stressoren gibt es nun im Pflegeberuf, die tatbegünstigend wirken können:

  • Zahl der Pflegenden (schwerst krank / unheilbar krank) nimmt stark zu
  • Zu wenig Personal
  • Hierarchisch geprägte Organisation (vgl. „Fronleichnamsprozession, die sich Visite nennt“)
  • Fehlende Kommunikation
  • Spannungen im Team
  • unzureichende psychologische Begleitungen / fehlende Supervisionen  Supervisionen am Abend ev. noch auf freiwilliger Basis – erzeugen eher Stress –dies muss fix im Dienstplan verankert sein!

Wie sieht das Opferprofil aus?

Gebrechlich/ hilflos, Patienten zwischen 70 und 90 Jahre. Der Tod ist jederzeit möglich.

Warnsignale für Gewalt auf der Station:  Viele Sterbefälle während der Dienstzeit, die Pflegepersonen haben oft schon einen besonderen „Spitznamen“ durch Kollegen /Kolleginnen. (Lady Die). Hoher Verbrauch von best. Medikamenten etc.

Das Täterprofil zeigte, dass die Personen im Beruf Großteils hoch engagiert waren, dass sie u.a. über einen langen Zeitraum Höchstleistungen erbringen mussten, dass sie häufig mit Sterben und Tod konfrontiert waren und einen freien Zugang zu den Medikamenten hatten.

Die psychischen Befunde der Täter/innen waren weitgehend unauffällig. Die Motivangaben waren lauf Angaben: „von ihren Leiden Erlösen wolle“ „moralisch gerechtfertigt, „menschlich“ „das beste“.

Die Frage die sich zum Schluss des Referats stellte: wie kann Gewalt vermieden werden?

Patientenbeobachtung, Kommunikation, das eigene Verhalten reflektieren, Deeskalationstechniken erlernen, Supervisionen, Thema Gewalt enttabuisieren

Als Abschluss stellte Dr. Halle noch folgende Frage ins Publikum, die sehr zum Nachdenke anregte:

„Stellen Sie sich vor, jemand erzählt Ihnen, dass in Ihrer Station, Abteilung, Klinik, heim, in einem Jahr ein Mitarbeiter Patienten töten wird, wenn alles so bleibt, wie es jetzt ist, was werden Sie tun?“

Mag. Dagmar Fischnaller –  Strukturelle Gewalt in der Pflege.

Gewalt bringt keine Pflanze zum Wachsen. Sie reißt höchstens ihre Wurzeln aus. – Walter Ludin

In dem Impulsreferat von Frau Mag. Fischnaller geht es ebenfalls wieder um den Begriff der Gewalt. Zuerst erläutert sie anhand der Definition von Ursula Ruthemann  und Johan Galtung den Begriff der Gewalt.  Speziell Johann Galtung erweitert den Begriff der Gewalt um den Begriff der strukturellen Gewalt. Strukturelle Gewalt wird nicht konkreten Akteuren zugeordnet, sondern basiert aus „Strukturen, … insbesondere auf gesellschaftlichen Strukturen, wie Werte, normen Institutionen sowie Machtverhältnisse.

Das Gewaltdreieck nach Galtung besagt auch, dass Gewalt eben direkt durch Personen entstehen kann. Aber auch indirekt oder strukturell– hier gibt es viele Beispiele, die oft gar nicht als Gewalt wahrgenommen werden: Vorgabe von fixen Zeiten / fixen Abläufen, Vorgabe von Hygienehandlungen, / Bewohner wird zu einem fixen Zeitpunkt gewaschen, fixe, starre Essenszeiten / morgens starres aufstehen etc.  Und die kulturelle Gewalt. Hierbei handelt es sich oft um Vorurteile, die mit struktureller Gewalt einhergehen.

Was sind nun Merkmale struktureller Gewalt:

Strukturelle Gewalt ist nicht immer sofort spürbar, ist oftmals unsichtbar. Sie wird als gegeben hingenommen und ist oftmals in den Strukturen verfestigt.  Dabei wird sie oftmals als Gruppenzwang wahrgenommen.

Gewalthandlungen können verschieden ausgeprägt sein:

Nicht beachten: hier gibt es unterschiedliche Abstufungen- mit dem Betroffenen nicht kommunizieren, seine Wünsche nicht beachten, Klienten vergessen, die sich selbst nicht bewegen können.

Sprachliche Gewalt: wie wird der Bewohner angesprochen (Du / Sie) Wertendes Reden von / über Klienten.

Subtile Misshandlungen: Überstülpen von kulturellen Sitten und Gebräuche, Einschränkungen – Medikamente – Alkohol, Fixierungen – medikamentöses Ruhigstellen.

Offenes Misshandeln.

Ursachen struktureller Gewalt:  Eine wesentliche Ursache für strukturelle Gewalt ist die geringe Wertschätzung und die damit verbundene Kommunikation.  Die Führungskräfte sind verantwortlich, wie mit Fehlern und Konflikten  im Unternehmen umgegangen wird.

Es müssen entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen werden, um die Fehler und Konflikte anzusprechen und aufzuarbeiten.

In Studien ist belegt, dass die Aggressionen steigen, je schlechter das Betriebsklima ist.  Aber auch der einzelne Mitarbeiter hat die Eigenverantwortung – er ist verpflichtet, Auffälligkeiten rechtzeitig zu melden.

Führungskräfte sollen erkennen an welche Belastbarkeit sich ihre Mitarbeiter befinden. Ebenso wenn MA Alkoholprobleme haben ist die Führungskraft zu unverzüglichem handeln gefordert.

Das Problem bei Strukturen ist, dass es sehr oft STARRE Strukturen sind.

Welche konkreten Maßnahmen kann man setzen? (Beispiele)

 

Wiener Pflege-, Patientinnen- und Patientenanwaltschaft (WPPA) – Dr. Siegrid Pils

Seit 2005 sieht das Wiener Pflegeheimgesetz ein- und Zweibettzimmer als Standard vor. Die Höchstgrenze für Neubauten ist bei 350 Betten. 2015 wurden die alten Pflegekasernen abgeschafft. Ebenso ist die Personalverordnung geregelt. Bei Pflegestufe 0 darf eine Betreuungsperson 20 Personen sorgen, bei Stufe 7 liegt das Verhältnis 1:1.

Die WWPG und die HK ist eine Konsequenz auf jahrelangen Versäumnissen, es gab in wien jahrelang Großheime mit 8-Bettzimmer, in denen es keine Privatsphäre gab, die Bewohner wurden als „Pflegelinge bezeichnet, Freiheitsbeschränkung war an der Tagesordnung, die Bewohner hatten kaum Ausgang. Die alten Menschen hatten Angst vor dem Pflegeheim. Dies äußerten sie auch in entsprechenden Aussagen

Frau Dr. Pils erläutert die „totale Institution“ lt. Erving Goffmann. Die totale Institution stellt ein unglaubliches Macht- und Gewaltinstrument dar  und bedeutet für den Menschen den sozialen Tod. Der Mensch gibt seine Individualität beim Betreten Einrichtung ab. Die Vorgaben macht die Institution, zumeist in Form der  Hausordnung. Man wird nicht mehr als  Indiviuum, sondern nur mehr als Gruppe.

Ist ein Pflegeheim eine totale Institution?  – nicht eins zu eins – aber in Ansätzen findet man sehr wohl Merkmale dieser.

Folgende Fragestellungen warf Dr. Pils im Rahmen ihres Vortrags auf und regte damit zum Nachdenken an:

Moderne Pflegeheime haben oft tolle Folder – doch wie werden diese Inhalte gelebt? sind nur die Folder neu? Ist das neue Denken auch in den Köpfen der Pflegenden angekommen?

Wo passiert die Kommunikation auf Augenhöhe mit den Betroffenen?

Auch alte Menschen Leben im Hier und Jetzt!

Wenn man sich Büchereien der Altenheime ansieht, so stehen oft alte Bücher mit „Kleinstschrift“ – die von den alten Menschen sicher nicht zu lesen sind.  Warum sind sie nicht mit Bücher befüllt, die man den Menschen vorlesen kann? Zu aktuellen Themen – z.B. Brexit, aktuelles Geschehen, aktuelle Bücher etc.

Respektvolles Sprechen mit den alten Menschen – oft verändert sich die Stimmlagen.

Damit die Pflege diese erfüllen kann, braucht sie mehr  – mehr Personal – mehr Kompetenzen.

Pflege muss ihr eigenes Handeln hinterfragen.

Treten wir nicht von alter offener Machtausübung zu subtiler Machtausübung?

Demenzdörfer – „es wird so getan als ob“ – dies erzeugt Zynismus. Die Dementen gehen in ein Scheindorf einkaufen.

Warum schließen wir diese Gruppe aus?

Warum gehen die Dementen nicht zum „echten Spar“ einkaufen? Es  braucht eine Änderung in den Köpfen der Gesellschaft

Heimrecht muss eine MENSCHENRECHT sein.

Wie gehe ich mit Überforderung um?

Supervision muss vorhanden sein

Supervision ist wenn sie nicht vorhanden ist, strukturelle Gewalt.

Beziehungsarbeit ist, anstrengender als jede körperliche Arbeit, daher ist es notwendig, dass wird begleitet werden.

Dr. Fromherz erläuterte zu Beginn seines Vortrags die Aufgaben der Besuchskommission.

Der folg. Text wurde aus der Homepage (www.volksanwalt.at)  entnommen – er deckt sich mit dem Referat von Dr. Fromherz..

  • Präventive Menschenrechtskontrolle

Die Volksanwaltschaft ist seit dem 1. Juli 2012 für den Schutz und die Förderung der Menschenrechte in der Republik Österreich zuständig.

Gemeinsam mit sechs regionalen Kommissionen werden Einrichtungen kontrolliert, in denen es zum Entzug oder zur Einschränkung der persönlichen Freiheit kommt oder kommen kann, etwa in Justizanstalten oder Pflegeheimen. Die Kontrolle erstreckt sich auch auf Einrichtungen und Programme für Menschen mit Behinderungen. Zudem wird die Verwaltung als vollziehende Gewalt beobachtet, wenn unmittelbare Befehls- und Zwangsgewalt, etwa bei Abschiebungen, Demonstrationen und Polizeieinsätzen ausgeübt wird. Im Kern geht es darum, Risikofaktoren für Menschenrechtsverletzungen frühzeitig zu erkennen und abzustellen.

Bildhaft gesprochen ist die Volksanwaltschaft das Menschenrechtshaus der Republik.

Neben der präventiven Kontrolle kann sich jeder Mensch ausdrücklich bei der Volksanwaltschaft wegen behaupteter Verletzung der Menschenrechte beschweren.

Der verfassungsgesetzliche Auftrag zum Schutz der Menschenrechte als „Nationaler Präventionsmechanismus“ (NPM) gründet sich auf zwei bedeutende Rechtsakte der Vereinten Nationen. Einerseits das UN-Fakultativprotokoll zum Übereinkommen gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (OPCAT) und andererseits die UN-Behindertenrechtskonvention.

  • Kontrolle von Orten der Freiheitseinschränkung

Menschen kann die Freiheit an verschiedenen Orten entzogen werden, etwa in Justizanstalten, Kasernen, psychiatrischen Einrichtungen, Alten- und Pflegeheimen, Krisenzentren, Wohngemeinschaften für Jugendliche sowie Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen.

Insgesamt werden somit rund 4.000 öffentliche oder private Einrichtungen im Bundesgebiet erfasst. Jährlich finden rund 500 meist unangekündigte Kontrollbesuche der regionalen Expertenkommissionen statt.

  • Kontrolle von Einrichtungen und Programmen für Menschen mit Behinderungen

Die Volksanwaltschaft besucht und kontrolliert mit ihren Kommissionen auch Einrichtungen und Programme für Menschen mit Behinderungen. Ziel ist jede denkbare Form von Ausbeutung, Gewalt und Missbrauch zu verhindern.

Die Volksanwaltschaft setzt damit Regelungen der UN-Behindertenrechtskonvention in Österreich um. Von den Besuchen werden etwa Behinderten- und psychosoziale Langzeiteinrichtungen sowie Behindertentageszentren umfasst.

  • Begleitende Überprüfung von Zwangsakten

Die Volksanwaltschaft überprüft mit ihren Kommissionen weiters die Ausübung unmittelbarer Befehls- und Zwangsgewalt durch die Verwaltung. Dazu gehört die Beobachtung von Polizeieinsätzen bei Großrazzien, Großveranstaltungen, Versammlungen und Demonstrationen sowie bei Abschiebungen.

Zielsetzung ist dabei der Schutz der Menschen und ihrer Rechte. Das gilt für Demonstrationsteilnehmerinnen und Demonstrationsteilnehmer ebenso wie für Einsatzbeamtinnen und Einsatzbeamte. Die Prüfkompetenz umfasst auch Misshandlungsvorwürfe gegen Polizeiorgane sowie Todesfälle und Suizidversuche in Polizeigewahrsam.

  • Kommissionsbesuche

Die Volksanwaltschaft ist gesetzlich dazu verpflichtet, Orte einer Freiheitsentziehung bzw. Einrichtungen, die Menschen mit Behinderung gewidmet sind, regelmäßig zu besuchen. Sie betraut mit dieser Aufgabe von ihr eingesetzte Kommissionen. Die Volksanwaltschaft und ihre sechs Regionalkommissionen bilden gemeinsam den Nationalen Präventionsmechanismus (NPM).

Die Besuchsprogramme sind jedoch kein starres Korsett. Dies ist schon deshalb nicht sinnvoll, da jede Kommission im Rahmen des ihr zugeteilten Budgets alle drei Aufgaben zum Schutz und zur Förderung der Menschenrechte – Überprüfung von Einrichtungen im Sinne des OPCAT, Kontrolle von Einrichtungen und Programmen für Menschen mit Behinderungen, begleitende Überprüfung von Zwangsakten  – zu erfüllen hat. Hinzu kommt, dass die Kommissionen die notwendige Flexibilität haben müssen, auch im Dringlichkeitsfall „ad-hoc-Besuche“ vorzunehmen oder über Ersuchen der Volksanwaltschaft in allgemeinen Prüffällen der Verwaltungskontrolle tätig zu werden. Die Vorbereitung auf den Besuch beinhaltet die Formulierung eines eindeutigen und klar abgegrenzten Prüfthemas, mit dem Ziel eine harmonisierte Vorgehensweise bei Durchführung des Besuchs vor Ort zu gewährleisten. Die Kontrolle umfasst alle Aspekte des Menschenrechtsschutzes der angehaltenen Personen. Die präventive Tätigkeit der Volksanwaltschaft und ihrer Kommissionen dient dem Schutz vor Menschenrechtsverletzungen sowie Eingriffen in Menschenrechte. Daher achten Kommissionen z.B. darauf, ob geeignete Maßnahmen getroffen werden, damit es nicht zu menschenrechtswidrigen Freiheitsbeschränkungen oder Verletzungen der Privatsphäre kommt, keine (strukturelle) Gewalt ausgeübt wird und erniedrigende, menschenunwürdige oder gesundheitsschädigende Behandlungen unterbleiben. Erhoben werden auch Betreuungs- und Vollzugspläne, die Vorgangsweise für eine Rückführung und Entlassung der Angehaltenen, die Personalsituation sowie das Beschwerdemanagement. Überprüft werden können weiters die Lage, Baustruktur und bauliche Ausstattung der Einrichtung, die Lebens- und Aufenthaltsbedingungen der angehaltenen Personen, deren Möglichkeit zur Kontaktnahme nach außen, die Wahrung ihres Rechts auf Familie und Privatsphäre, vorhandene Bildungs-, Arbeits- und Beschäftigungsangebote sowie der Zugang zu internen Informationen.

Das Besuchsteam führt nach Möglichkeit ein Abschlussgespräch mit den Verantwortlichen der Einrichtung vor Ort oder den leitenden Beamten eines Polizeieinsatzes. In diesem Rahmen werden die ersten vor Ort  gewonnenen Eindrücke und Wahrnehmungen festgehalten und, soweit möglich, die Behebung von Mängeln vereinbart. Der protokollierte Inhalt des Gesprächs wird der Heimleitung oder der Behörden- bzw. Anstaltsleitung routinemäßig übermittelt. Bei ihrer Tätigkeit haben die Kommissionen auf die Erfordernisse des Betriebes Rücksicht zu nehmen, zumal die Besuche im Regelfall unangemeldet stattfinden. Alle Wahrnehmungen und Feststellungen der Kommissionen werden in einem standardisierten Protokoll  festgehalten. Es ist in acht Kapitel gegliedert: Basisinformationen über die besuchte Einrichtung, Feststellungen zum Besuch, Informationsquellen, themenbezogene Feststellungen, sonstige Anmerkungen, menschenrechtliche Beurteilung, sonstige Wahrnehmungen und Abschlussgespräch. Auf Grundlage der von den Kommissionen getroffenen Feststellungen, menschenrechtlichen Beurteilungen und Vorschlägen erfolgt eine weitere, vertiefende Prüfung durch die Volksanwaltschaft. Sowohl bei Systemfragen als auch einrichtungsspezifischen Mängeln werden die zuständigen Ministerien bzw. Aufsichtsbehörden befasst. Insbesondere bei ersteren wird seitens der Volksanwaltschaft der Menschenrechtsbeirat mit den in Aussicht genommenen Veranlassungen einbezogen. Dessen gutachtliche Äußerungen fließen in die endgültigen Beurteilungen der Volksanwaltschaft ein.

  • Kommissionen: Um die Aufgaben als Menschenrechtshaus der Republik umsetzen zu können, hat die Volksanwaltschaft sechs regionale Kommissionen eingerichtet, die uneingeschränkten Zutritt zu allen Einrichtungen haben.

Im Anschluss an diesen Vortrag ergab sich eine spannende Diskussion. Einige Betroffene berichteten von diesen  Besuchen durch diese Kommission.  Bei manchen  der besuchten Einrichtungen kam es zu Beginn zu einem Missverständnis in der Namensgebung der Kommission „Antifolterkommission“. Aus diesem Grund war es gut, dass im Rahmen des Vortrags dies ausgeräumt werden konnte.

Erwin Böhm – Das Symptom Gewalt in der Pflege.

Erwin Böhm war leider erkrankt und so referierte Gschwandtl Paul, ein Pflegedienstleiter aus dem Salzburger Raum zu diesem Thema.

Der Böhm´sche Regelkreis besagt, wenn

Macht und Aggression in der Pflege vorhanden sind,  es notwendig ist, zu schauen woher diese stammen und wach zu machen ist.

Grundsätzliche birgt Pflege die Anwendung von Macht schon in sich:

Starke „Gesunde“ pflege schwache „Kranke“.  Die Gefahr besteht, dass Macht als Über oder Unterforderung am Patienten aufgelebt wird.

Die Biographie der Pflegepersonal bestimmt wie gepflegt wird.

Auch das Pflegegeld spielt eine wesentliche Rolle in der Pflege.

Verbessert sich die Pflegestufe – gibt es dafür weniger Geld, das wiederum will der Träger nicht

Folgen von Über oder Unterforderung sind Soziale Entmündigung  – können Regression / Vorzeitiger Rückzug oder Destruktionstrieb / Aggressionstrieb / Todestreib sein.

Auch hier wird beschrieben, dass das adäquateste Mittel der Gewalt entgegenzuwirken die SUPERVISION sein kann.

In der Supervision kann man lernen, seine eigenen Abwehrmechanismen zu verstehen, , seine inneren Konflikte auszuhalten, Hilfe anzunehmen .

(dies ist jetzt eine kurze Zusammenfassung – mit diesem Thema bin ich nicht sehr vertraut)

Zusammenfassung:

Eine sehr interessante und spannende Fortbildung. Ein sehr heikles Thema aus verschiedenen Gesichtspunkten betrachtet.

Den Referenten/Referentinnen ist es gelungen, einfühlsam zu referieren und trotzdem die Problematik aufzuzeigen.

Mein persönliches Fazit: Mir ist wieder sehr bewusst geworden, wie behutsam man mit dem Thema Macht umgehen muss, wie schnell man mächtig sein kann (auch in vielen Situationen außerhalb der Pflege) und man diese Macht nicht missbrauchen darf – denn   Macht kann schnell eine Kränkung verursachen. Gerade im Pflegebereich muss diese Macht äußerst vorsichtig eingesetzt werden. Sein eigenes Handeln muss immer wieder reflektiert werden und es braucht gute Führungskräfte, die auch Rahmenbedingung schaffen – wie Supervisionen, Kommunikationsbedingungen, wo dieses Reflektieren möglich ist.

Der Termin für das Pflegeforum 2018 ist bereits vorgemerkt.